Pöhm´s Power-Letter Nr 12 September 2002
Liebe Leser
Hier ist er nun, der Power – Letter September 2002. Wenn Sie den Powerletter interessant finden, so schicken Sie ihn doch einfach per E-mail an Freunde weiter. Unter www.poehm.com kann sich jeder Interessierte eintragen.
Sie finden 8 Artikel:
1) Sprachliche Marotten
2) Stoiber oder Schröder
3) Ö3 Interview
4) Abendseminar
5) Neue Homepage
6) Der regelmässige Angriff
7) Sieger im Schlagfertigkeits-Gewinnspiel
Schlagfertigkeit in den USA
1) Sprachliche Marotten
“Der hat einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht – oder?” sagt ein Teilnehmer bei seiner Rede während des Rhetorik-Seminars. Ein paar Sätze weiter höre ich: “…Da kommt er um die Ecke – oder?” kurze Zeit später: “…Das will doch niemand – oder?” Oder, oder, oder. Gerade in der Schweiz ist dieses, an jeden dritten Satz hintangefügte “oder” eine grassierende Unart. Ähnlich wie bei den Deutschen das “Nicht wahr” wird durch diese Frage im Prinzip ständig die eigene Aussage Infrage gestellt. Nachdem ich den Teilnehmer bei der nächsten Rede jedes Mal unmittelbar aufmerksam mache, als ich sein wohlvertrautes “Oder” höre, wird er zwar wesentlich besser – aber schon beim Gespräch in der Nachmittagspause merke ich, dass seine Sprachmarotte damit noch lange nicht ausgemerzt ist.
Wenn das nur die einzige Marotte wäre, die ich bei öffentlichen Reden erlebe. Das Wort “eigentlich” gehört genauso zu diesen Unworten. “In dem Raum waren eigentlich viele Leute.” Zitat aus einem Vortrag im Rhetorikseminar. Meine regelmässige Zwischenfrage an der Stelle lautet: “Waren jetzt viele Leute dort, oder nur eigentlich viele?”
Eine weitere verbreitet Rede-Unart ist die rhetorische Frage an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Es handelt sich dabei leider nicht um eine rhetorische Wirkfrage wie zum Beispiel, “Können Sie etwas dafür in Deutschland geboren zu sein?”, die sich ohne erwartete Antwort wie ein Pfeil in die Herzen der Zuhörer bohrt, sondern um die schulmässige rhetorische Frage wie zum Beispiel: “Wie funktioniert nun der Ottomotor?” wo der Redner gleich drauf seine eigene Frage selbst beantwortet. So etwas verströmt unsägliche Langeweile, obwohl in verschiedenen Rhetorikbüchern zu dieser Art von rhetorischen Frage geraten wird:” Mein Schwager gibt mir die Hand, “was fragt er?” er fragt ob ich ihm beim Umzug helfen kann…” “Ich komme in den Sitzungsraum, “und was sehe ich?” – ich sehe jemanden sitzen…”; Mit solchen Fragen machen Sie Ihre Rede höchstens zu einer mittelmässigen Schulstunde.
Eine weitere Unart sind kommentierende Füllsätze während der Rede. “Das ist schief gegangen “muss man so sagen”. ; Mein Sohn ist dann ausgezogen, “wie das halt so geht”. Zürich ist die grösste Stadt der Schweiz “Wie Sie sicher alle wissen”, Jeder kann das machen, “Wie ich schon mal gesagt habe” “Ich komme aus Rapperswil, “kennt das jemand” Solche Füllsätze wirken hilflos und bringen die Prägnanz Ihrer Rede völlig zum Erliegen.
Sprachliche Marotten ausmerzen
Hier eine hochwirksame Methode, was Sie gegen ihre Sprachmarotten tun können: Sie sagen Ihrer Sekretärin oder einem anderen Vertrauten, dass er ab heute Geld nebenher verdienen kann. Alles was er tun muss ist, mit dem Finger zu schnalzen in dem Moment, wo er Sie bei einer solchen Sprachmarotte erwischt. Für jeden Schnipser macht er einen Strich und für jeden Strich zahlen Sie ihm am Abend 5.- Franken /Euro. Wichtig ist, dass Sie unmittelbar darauf aufmerksam gemacht werden und nicht erst eine Stunde danach. Ihr Hirn kriegt das Signal unmittelbar – und wie ein Hund, lernen Sie am meisten, wenn Sie sofort auf den Fehler aufmerksam gemacht werden. Denn Sie müssen wie der Pawlovsche Hund konditioniert werden. Ihr Hirn lernt verdammt schnell, weil der Schmerz (die 5.- Fr) gleich mit dem Schnipsen verlinkt wird. Ich schätze mal, mit maximal 300.- Franken sind Sie Ihre Marotte dauerhaft los. Das ist doch fast geschenkt – oder?
2) Stoiber oder Schröder
Haben Sie die TV-Diskussionen an den letzten Sonntagen gesehen? Als Schlagfertigkeitstrainer war das für mich natürlich eine Pflichtveranstaltung. Wer der bessere Kandidat ist, wage ich nicht zu beantworten, aber wer der bessere Redner und Diskutant ist, dazu geb ich meine Meinung kund: Ganz klar Gerhard Schröder.
Schröder macht zwar bisweilen komplizierte Sätze, mit vielen Einschüben, aber man versteht sie und die enden genau da, wo er es plant. Und seine Botschaften sind klarer und einfacher. “Mit mir wird es kein Krieg geben” Das hört sich besser an als: “Vorrausgesetzt die UNO beschliesst Massnahmen, welcher Art auch immer, die Inspektoren wieder ins Land zu erzwingen, das ist doch die zentrale Frage. Das ist die Position der Europäischen Union und das ist auch unsere Position, und hier muss es am Ende eine europäische Entscheidung geben…” Das sind viel zu komplizierte und verschachtelte Wenn-Dann Botschaften– das kann das Unterbewusstsein nicht aufnehmen. Diese Antwort gab danach auch Schröder die Gelegenheit einer seiner schlagfertigsten Einwürfe zu platzieren: “Die Menschen in Deutschland wollen wissen: wird es unter Ihrer Führung eine militärische Intervention im Irak geben - und nicht mit wem Sie sich danach beraten!”
Das Fernsehduell vom vorletzten Sonntag wurde aber eigentlich durch die Körpersprache entschieden. Stoiber verkniff nach jedem seiner Antworten sein Gesicht, so als ob ihn die Sonne blenden würde. Schröder stand, während Stoiber redete, souverän auf seinem Ellbogen gelehnt da und beobachtete ihn wissend. Stoiber wagte einfach nicht Schröder anzuschauen, während der das Wort hatte. Das signalisiert Unsicherheit. Das bleibt viel mehr haften, als die einzelnen Antworten. Stoiber hat dann noch ein paar Punkte aufgeholt, als er sein Schlussstatement direkt in die Kamera sprach. Aber das hat nicht mehr zum Punktsieg gereicht.
Wenn Sie Edmund Stoiber bei seinen Wahlkampfreden sehen, ist der Mann viel besser als in Diskussionen. Kein Verhaspeln kein Worte suchen – da sehen Sie einen Redner, der aus sich raus geht, der mit Spannung im Körper grosse Gesten zelebriert. Aber sein altes Problem bleibt trotzdem: er redet zu kompliziert – nach einer Weile muss man sich anstrengen ihm zuzuhören.
Auch andere Spitzenpolitiker haben ein anderes Diskussionsvermögen als Redevermögen. Joschka Fischer beispielsweise verliert, wenn er vor Publikum frei redet, plötzlich seine Tausende von “ähs” die er in TV-Statements und Diskussionen immer von sich gibt. Da ist er als Volkstribun sogar besser als Schröder. Auch Stoiber gewinnt an Format, wenn er als Einzelredner auf der Bühne steht.
Übrigens ist Gregor Gysi der einzige Spitzenkandidat, der ohne Rednerpult auf die Bühne geht. Der Mann ist als Redner sowieso einer der Besten.
Jetzt fragen Sie mich vielleicht, welcher Partei ich meine Stimme geben werde. Ich wähle niemals Parteien ich wähle immer Führerfiguren. Meine Stimme gehört diesmal Gerhard Schröder. Natürlich bleiben wir Freunde, auch wenn Sie sich anders entscheiden. Nur tun Sie mir einen Gefallen: Gehen Sie auf jeden Fall am Sonntag wählen.
3) Ö3 Interview
Ich habe schon viele Radio-Interviews geführt. Aber noch nie hatte ich ein solches Echo, wie auf das Ö3 Interview im Juli mit Claudia Stöckl in der Sonntag Mittags-Sendung “Frühstück bei mir”. Wir plauderten zwei Stunden lang über Schlagfertigkeit. Die Buchverkaufszahlen haben sich daraufhin versechs-facht. Weil so viele Anfragen von österreichischen Hörern kamen, haben wir nun zwei Seminare in Österreich angesetzt. Sie finden am Samstag 26. Oktober 02 und am Sonntag, den 30. März 2003 in Wien statt. Wenn Sie mit dabei sein wollen, klicken Sie einfach hier.
4) Abendseminar
Noch eine Neuerung: Wir bieten neu ein Abendseminar Schlagfertigkeit an. Es ist kürzer als das Tagesseminar, startet um 17 Uhr und endet um 21 Uhr. Somit ist es auch für Berufstätige, die keinen ganzen Tag frei nehmen können, möglich, geballt das Wichtigste zur Schlagfertigkeit zu erleben. Das Abendseminar findet am Donnerstag 12. Dezember 02 in Spreitenbach bei Zürich statt. Wenn Sie mit dabei sein wollen, klicken Sie einfach hier.
5) Neue Homepage
Wir haben jetzt eine neue Homepage. Sie ist unter www.schlagfertig.de .ch oder .at erreichbar. Unter dieser Homepage ist alles, was zur Schlagfertigkeit gehört zusammengefasst. Unter anderem auch die “täglich wechselnde schlagfertige Antwort” oder “300 Verbalattacken zum Üben” oder die “Sprüche bei Anmache” – Da erfahren die Frauen, wie man ungebetene Männer schlagfertig abblitzen lässt.
Die Homepage poehm.com und die Page schlagfertig.com sind designmässig unterschiedlich gestaltet. Im Moment lassen wir das mal so stehen. Was denken Sie: Welches Design gefällt Ihnen besser? Auf Ihre email-Antwort sind wir neugierig.
6) Der regelmässige Angriff
Im letzten Powerletter starteten wir einen regelmässigen Angriff, auf den Sie liebe Leser eine schlagfertige Antwort erwidern konnten. Es wurden uns eine Unmenge von Antworten zugeschickt. Ich war überwältigt. Hier noch einmal die Situation:
Die Assistentin des Chefs ist bei einem Kundenanlass als einzige Frau anwesend. Der Redner begrüsst: “Ich begrüsse Sie meine Herren und besonders die einzige Dame unter uns.” Der Chef ruft dazwischen: “Das ist keine Dame, das ist nur unsere Assistentin. ”
Ausgewählt haben wir folgende Antwort:
Roy Radoje Podvinec, Allschwil
“Stimmt. Nur die Assistentin eines Gentlemans kann sich wirklich als Dame fühlen”.
Hier noch weitere Antworten, die gleich gut waren:
“O, Pardon, dann habe ich es hier ja auch nicht mit Herren zu tun, sondern nur mit Chefs!” Raimund Egger
“Richtig, jemand musste diesen Anlass organisieren!” Peter Thiele
“Die Stelle als Dame wurde von der Buchhaltung gestrichen, das liegt dieses Jahr nicht mehr drin, aber fahren sie weiter.” Edi Scammacca
“Richtig, als Dame hätte ich in diesen Kreisen auch nichts zu suchen.” Jubel@gmx.net
“..und ohne diese Assistentin wäre unser Chef kein erfolgreicher Herr.” Sabine Herold
“ich darf hinzufügen: dieser Herr ist kein Mensch, das ist nur unser Chef.” Josef Fesel
Wir publizieren jeweils einen Angriff, auf den Sie, liebe Leser, uns dann eine mögliche Antwort zuschicken können. Die originellste Antwort wird prämiert.
Hier ist der neueste Angriff, auf den Sie uns eine Erwiderung schicken sollen:
Die verheiratete Schulkollegin sagt zu Ihnen bei einem Treffen: “Du bist ja immer noch nicht verheiratet. Dich will wohl keiner?”
Was würden Sie als Betroffene antworten?
Schicken Sie uns eine mögliche Antwort.
Im folgenden möchte ich in dieser Rubrik Angriffe zur Beantwortung stellen, die aus dem Kreis der Leser kommen. Haben Sie einen Angriff erlebt, bei dem Sie mit Ihrer Antwort nicht zufrieden waren? Schicken Sie ihn uns zu. Vielleicht wird er schon im nächsten Powerletter Tausenden von kreativen Lesern zur Beantwortung vorgelegt.
7) Sieger im Schlagfertigkeits-Gewinnspiel
Vielen Dank für die vielen, uns zugeschickten, schlagfertigen Antworten. Es werden immer mehr. Leider müssen wir auch sehr, sehr gute Geschichten aussortieren.
Wir haben wieder zwei Sieger auserkoren.
1. Sieger: Bernhard Stadler, Oberösterreich
Vor ein paar Monaten war unser 2-Tages Sportvereinsausflug. Als wir morgens nach einer durchgezechten Nacht sichtlich angeschlagen zum Frühstück erschienen sind, war ich ziemlich schlampig angezogen, und ein Teil der Unterhose war zu sehen. Der Sportvereinspräsident lächelte, und sagte zu mir: “Deine Unterhose passt aber nicht gut zu deiner Hose!” Darauf erwiderte ich: “Aber deiner Frau hat sie gestern nacht sehr gut gefallen!”
(Kommentar M. Pöhm: Technik “Versteckter Gegenangriff”)
2. Sieger: Karin Stoeller, Österreich
Als kleines Kind bzw Jugendliche war ich nie eine von den schlanken Model-Mädchen und wurde demnach natürlich auch gehänselt hauptsächlich von meinen Mitschülerinnen. So lernte ich, was Schlagfertigkeit bedeutet: “Mitschülerin: Na, du dicke Kuh, solltest schön langsam an eine Diät denken”.
Ich: “Stimmt, ich kann abnehmen, du bleibst allerdings so doof!”
(Kommentar M. Pöhm: Technik “Versteckter Gegenangriff”)
Die beiden Gewinner erhalten als Preis das ” Buch “Nicht auf den Mund gefallen” im Wert von SFr. 36
Wir drucken hier aber noch weitere gelungene Antworten ab:
Jossé Tillmann, Mannheim
Im Meeting. Ein Kollege sagt zur Teamrunde bezüglich meines neuen Vorschlags: ” Wer für alles offen ist – ist wohl nicht ganz dicht”
Meine Antwort: “Und wer ganz dicht ist – bei dem läuft nichts mehr.”
(Kommentar M. Pöhm: Technik “Versteckter Gegenangriff”)
Stefan Karnekar, Rankweil
Ich wurde mal von einen streitsüchtigen Typ attackiert, er packte mich am Kragen und sagte auch noch Arschloch zu mir! Ich schaute dem Typ in die Augen und antwortete: ” Hey, Mann, ich gratuliere Dir, Du bist der erste der das korrekt erkannt hat!” Ich lud Ihn darauf hin auf ein Bier an der Bar ein. Er war so überrascht und ließ die Finger von mir.
(Kommentar M. Pöhm: Technik “Übertriebne Zustimmung”)
Silvio Merkel, Grebenstein
Der Mitarbeiter betritt das Büro und begrüßt seine Kollegen mit einem freundlichen Guten Morgen. Die Chefin: “Mann riechen Sie aus dem Mund, warum haben Sie wieder soviel Knoblauch gegessen?” Mitarbeiter: “Ich wusste, ich werde heute einen Blutsauger treffen”
(Kommentar M. Pöhm: Technik “Gut versteckter Gegenangriff”)
Die Auswahl ist uns schwer gefallen. Vielen Dank für alle weiteren zugesandten, sehr originellen schlagfertigen Antworten.
Für diejenigen, die sich am nächsten Wettbewerb mit einem tollen Spruch beteiligen wollen, mögen das bitte über unsere Homepagetun.
Auch diesmal veranstalten wir für den nächsten Powerletter wieder einen Gewinnspiel für die schlagfertigste uns zugesandte Antwort.
Zu gewinnen gibt´s diesmal das brandneue Buch “Das NonPlusUltra der Schlagfertigkeit”, das ab Oktober ausgeliefert wird, im Wert von SFr. 36.-
Schlagfertigkeit in den USA
Ich war ja vier Wochen in den USA. Ich habe dort einen Trainer auftreiben wollen, der sich auf Schlagfertigkeit spezialisiert hat. Alles, was ich mitgebracht habe sind ca 70 Ausdrücke, wie man das deutsche Wort Schlagfertigkeit ungefähr in Englisch umschreiben könnte. Aber einen Menschen, der das den Leuten beibringt habe ich nicht finden können – genauso wenig ein Buch darüber. Wie soll sich auch ein Spezialist für etwas herauskristallisieren, wofür die Sprache nicht einmal ein Wort besitzt? Wenn Sie etwas wissen, schreiben Sie mir.
Auf vielfachen Wunsch, haben wir jetzt einen Termin für das “Basistraining Rhetorik” angesetzt. Infos hierzu finden Sie hier.
Anmeldung zum Seminar unter: “Schlagfertig & erfolgreicher”
Hier ist die Anmeldemöglichkeit zum Seminar “Präsentieren als Infotainment”
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und tun Sie auch, was Sie für richtig halten!
Matthias Pöhm
P.S.
Wenn Sie Ihre E-mail-Adresse wechseln und Sie wollen weiterhin den Letter erhalten, vergessen Sie nicht, uns Ihre neue E-mail-Adresse mitzuteilen.
Schlagfertige sind erfolgreicher
Filed under: Power-Letter
Like this post? Subscribe to my RSS feed and get loads more!