Wenn ich meine Erfahrung aus 25 Jahren Rhetoriktraining und Kommunikationstraining zusammenfassen müsste: Was sind die typischen Fehler eines Kommunikationstrainers? Dann komme ich zu folgendem Ergebnis.
Ähnliche Aussagen, wie die Folgenden hören Sie bei Reden, in Schulungen und in Social Media Posts:
„Führung bedeutet Haltung zeigen.“
„Kommunikation braucht Authentizität.“
„Nehmen Sie Ihre Zuhörer mit.“
„Zeigen Sie Präsenz.“
Solche Sätze höre ich seit 25 Jahren in Rhetoriktrainings. Das Problem: Der Teilnehmer weiß danach immer noch nicht, was er tun soll.
Ich nenne das rhetorischen Sprühnebel. Es klingt nach einer wichtigen Erkenntnis, aber sobald der Teilnehmer am nächsten Tag in einem Meeting sitzt, weiß er nicht, welche konkrete Handlung er ausführen soll.
In meinen 25 Jahren Rhetoriktraining habe ich immer wieder festgestellt: Genau hier liegt einer der größten Fehler von Kommunikationstrainern. Sie geben ihren Teilnehmern zu viele nebulöse Anweisungen.
1. Hören Sie auf, Sprühnebel zu verbreiten
Stellen Sie sich vor, ein Teilnehmer soll in seinem nächsten Führungsgespräch mehr Autorität zeigen. Der Trainer sagt:
„Führen bedeutet Haltung zeigen.“
Was soll der Teilnehmer jetzt machen?
Soll er gerader stehen? Langsamer sprechen? Den Blick länger halten? Eine Forderung aussprechen? Widerspruch aushalten?
Die Anweisung sagt ihm nichts davon.
Oder nehmen Sie:
„Seien Sie präsenter.“
Auch das ist Sprühnebel.
Ich würde einem Teilnehmer stattdessen sagen:
„Wenn Sie im Meeting Ihre Entscheidung verkünden, sprechen Sie den entscheidenden Satz langsamer und machen Sie danach zwei Sekunden Pause. Schauen Sie dabei die Person an, die Ihnen gerade widersprochen hat.“
Jetzt weiß der Teilnehmer, was er tun soll.
Oder statt:
„Führen Sie mit mehr Haltung.“
sage ich:
„Wenn Ihr Mitarbeiter im Jahresgespräch eine Ausrede bringt, unterbrechen Sie ihn nicht. Lassen Sie ihn ausreden, schauen Sie ihn zwei Sekunden an und sagen Sie dann: ‚Das erklärt mir, warum es passiert ist. Es ändert aber nichts daran, dass es bis Freitag erledigt sein muss.‘“
Das ist keine Kommunikationsphilosophie. Das ist eine Handlungsanweisung.
Praxistipp: Wenn Sie einem Teilnehmer eine Regel geben, prüfen Sie sofort: Könnte er diese Anweisung morgen in einem konkreten Gespräch ausführen? Wenn nicht, formulieren Sie sie neu. Sagen Sie ihm nicht, er solle „präsenter“ sein. Sagen Sie ihm, was er mit Stimme, Blick, Händen oder Worten konkret tun soll.
2. Zu wenig Gesten: Die Hände hängen einfach herunter
Ein zweiter Fehler fällt mir bei vielen Trainern auf: Sie sprechen über Körpersprache, aber die Teilnehmer lernen kaum, welche Geste zu welcher Aussage gehört.
Dann steht der Teilnehmer vorne, redet seinen Text herunter und hält seine Hände irgendwo vor dem Körper.
Dabei können Sie eine Aussage mit einer einfachen Geste massiv unterstützen.
Wenn Sie beim Präsentieren sagen:
„Wir haben drei Probleme.“
Dann zeigen Sie nicht einfach irgendwie mit der Hand herum. Heben Sie drei Finger.
Wenn Sie sagen:
„Wir müssen raus aus diesem alten Denken.“
Dann können Sie mit beiden Händen eine Bewegung nach außen machen.
Wenn Sie sagen:
„Ich möchte, dass Sie sich genau diesen einen Punkt merken.“
Dann zeigen Sie mit einer ruhigen, gezielten Geste auf einen Punkt vor Ihnen.
Ich habe bei Teilnehmern immer wieder erlebt, dass eine passende Geste einen Satz plötzlich viel stärker erscheinen lässt. Und nein: Die Geste muss nicht spontan aus dem Körper herauskommen. Sie können sie vorher festlegen und so lange üben, bis sie selbstverständlich aussieht.
Praxistipp: Nehmen Sie Ihre nächste Präsentation und markieren Sie fünf Sätze, die Ihnen besonders wichtig sind. Überlegen Sie für jeden Satz eine konkrete Handbewegung. Üben Sie diese Geste zusammen mit dem Satz. Ihre Hände sollen nicht einfach irgendetwas machen. Sie sollen zu Ihrer Aussage passen.
3. Zu viel PowerPoint
Der dritte Fehler ist für mich besonders offensichtlich: Zu viel PowerPoint.
Ich habe in meinen 25 Jahren Rhetoriktraining die Erfahrung gemacht: In acht von zehn Fällen sind Redner ohne PowerPoint überzeugender.
Warum?
Weil das Publikum dann auf den Redner schaut.
Bei PowerPoint schaut das Publikum ständig zwischen Ihnen und der Leinwand hin und her. Eine neue Folie erscheint. Dann kommt ein Diagramm. Dann eine Überschrift. Dann ein Bulletpoint. Der Redner spricht weiter, während hinten schon wieder etwas Neues auftaucht.
Die Aufmerksamkeit springt.
Dabei brauchen viele Aussagen überhaupt keine Folie.
Wenn Sie beispielsweise Ihrem Team sagen wollen:
„Wir haben im vergangenen Jahr 5,6 Millionen Umsatz gemacht. Für dieses Jahr setzen wir uns 10 Millionen als Ziel.“
Dann können Sie das einfach sagen.
Oder Sie gehen zum Flipchart, nehmen einen dicken schwarzen Stift und schreiben die 10 selbst auf das Papier.
Das Publikum sieht, wie diese Zahl entsteht. Es wartet darauf, was Sie schreiben.
Die Alternative zu PowerPoint heißt deshalb nicht automatisch: „Halten Sie eben eine langweilige freie Rede.“
Sie haben zwei Möglichkeiten: Sprechen Sie frei oder benutzen Sie ein Flipchart.
Praxistipp: Öffnen Sie vor Ihrem nächsten Vortrag Ihre PowerPoint-Datei und streichen Sie jede Folie, die nur etwas zeigt, das Sie auch selbst sagen können. Wenn die Folie keinen zusätzlichen Informationswert hat, löschen Sie sie. Nehmen Sie stattdessen den Blickkontakt mit Ihrem Publikum auf – oder greifen Sie zum Flipchart.
Wenn Sie als Kommunikationstrainer aus Ihrem Training drei Dinge mitnehmen wollen, dann diese:
Verbreiten Sie keinen Sprühnebel. Sagen Sie dem Teilnehmer genau, was er tun soll. Lassen Sie ihn seine Hände bewusst einsetzen. Und prüfen Sie bei jeder PowerPoint-Folie, ob Sie sie wirklich brauchen.
Die Fähigkeit sich als „Konkreter“ Kommunikationstrainer von allen anderen zu unterscheiden, als jemand, der sowohl Rhetorik, Schlagfertigkeit als auch Kommunikation schulen kann, bekommen Sie in der Kommunikationstrainer Ausbildung zum Business-Trainer.
