Die 7 häufigsten Fehler von Kommunikationstrainern

Kommunikationstrainer zu sein klingt zunächst einfach: Man kennt sich mit Rhetorik, Körpersprache, Gesprächsführung oder Präsentation aus und gibt dieses Wissen an andere weiter. In der Praxis reicht Fachwissen allerdings nicht. Wer Menschen trainieren will, muss sie zum Üben bringen, Fehler erkennen, Feedback geben und gleichzeitig eine Gruppe führen können.

Hier sind sieben Fehler, die ich bei Kommunikationstrainern immer wieder beobachte.

1. Sie reden zu viel

Der Klassiker: Der Trainer erklärt zehn Minuten lang, wie wichtig aktives Zuhören ist – und die Teilnehmer hören zehn Minuten lang zu.

Ein Kommunikationstraining ist kein Vortrag. Die Teilnehmer müssen kommunizieren, nicht Ihnen beim Kommunizieren zuhören.

Wenn Sie beispielsweise Schlagfertigkeit trainieren, bringt es wenig, 20 Minuten lang verschiedene Techniken zu erklären. Lassen Sie die Teilnehmer Situationen ausprobieren. Lassen Sie sie scheitern. Geben Sie Feedback. Lassen Sie sie noch einmal probieren.

Praxistipp: Begrenzen Sie Ihre Erklärungen bewusst. Fragen Sie sich bei jedem Theorieblock: „Was sollen die Teilnehmer anschließend tun?“ Wenn darauf keine konkrete Antwort kommt, ist der Theorieblock wahrscheinlich zu lang.

2. Sie geben Feedback, das niemandem hilft

„Das war schon gut.“

„Sie müssen selbstbewusster auftreten.“

„Versuchen Sie, etwas freier zu sprechen.“

Das klingt nach Feedback, ist aber häufig keines. Der Teilnehmer weiß danach nicht, was er konkret verändern soll.

Gutes Feedback beschreibt möglichst genau, was passiert ist und was der Teilnehmer beim nächsten Versuch anders machen soll.

Nicht: „Sie wirken unsicher.“

Sondern: „Sie haben am Satzende nach unten geschaut und die Stimme abgesenkt. Halten Sie beim nächsten Durchgang den Blick bis zum Satzende.“

Praxistipp: Geben Sie nach einer Übung nicht fünf Verbesserungsvorschläge gleichzeitig. Nennen Sie einen konkreten Punkt und lassen Sie den Teilnehmer ihn sofort noch einmal ausprobieren.

Wer Kommunikation professionell vermitteln will, braucht allerdings mehr als Fachwissen. Genau darum geht es auch in der Kommunikationstrainer-Ausbildung.

3. Sie trainieren alle Teilnehmer gleich

Ein Teilnehmer möchte souveräner vor Kunden auftreten. Eine andere Teilnehmerin hat Probleme mit schwierigen Mitarbeitern. Der nächste Teilnehmer muss regelmäßig Präsentationen vor dem Vorstand halten.

Und trotzdem bekommen alle dieselbe Übung.

Das ist bequem für den Trainer, aber nicht unbedingt sinnvoll für die Teilnehmer.

Ein gutes Training berücksichtigt die tatsächlichen Situationen der Menschen im Raum. Je näher eine Übung an der beruflichen Realität liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Teilnehmer das Gelernte später tatsächlich verwendet.

Praxistipp: Fragen Sie zu Beginn: „In welcher konkreten Situation brauchen Sie diese Fähigkeit?“ Bauen Sie mindestens einige Übungen genau aus diesen Situationen.

4. Sie wollen zu viel Stoff vermitteln

Viele Trainer glauben, ein Training sei dann gut, wenn die Teilnehmer möglichst viel gelernt haben.

Das Gegenteil kann der Fall sein.

Wenn Sie an einem Trainingstag zwölf Methoden vorstellen, werden die Teilnehmer am Ende vielleicht zwölf Methoden kennen – und keine einzige sicher beherrschen.

Training bedeutet nicht: möglichst viel hineinschütten. Training bedeutet: Verhalten verändern.

Praxistipp: Entscheiden Sie sich für wenige zentrale Fähigkeiten. Lassen Sie diese mehrfach üben, bis der Teilnehmer spürbar besser geworden ist.

5. Sie geben auch mal Trainings umsonst

Gerade am Anfang kommt häufig die Frage: „Wie bekomme ich meine ersten Kunden?“

Eine Möglichkeit ist, zunächst Trainings kostenlos oder zu einem sehr günstigen Preis anzubieten. Aber nicht, weil Ihre Leistung nichts wert ist. Sie kaufen sich damit etwas anderes: Erfahrung, Referenzen und Bekanntheit.

Sie können beispielsweise einen Verein, ein Unternehmen, eine Bildungseinrichtung oder eine andere Organisation ansprechen und ein erstes Training anbieten.

Der entscheidende Punkt: Machen Sie daraus keine Dauerlösung. Ihr Ziel muss sein, dass aus den ersten kostenlosen Teilnehmern später Empfehlungen, Referenzen und bezahlte Aufträge entstehen.

Praxistipp: Geben Sie ruhig einige Trainings kostenlos, wenn Sie dadurch echte Teilnehmer, Erfahrungen und Referenzen gewinnen.

6. Sie versuchen, besonders professionell zu wirken

Manche Trainer glauben, sie müssten besonders kompliziert sprechen, möglichst viele Fachbegriffe verwenden und einen Stapel PowerPoint-Folien präsentieren.

Das Gegenteil ist häufig überzeugender.

Teilnehmer wollen keinen Trainer bewundern. Sie wollen nach dem Training etwas besser können als vorher.

Wenn Sie einen komplizierten Sachverhalt in zwei einfachen Sätzen erklären können, ist das kein Zeichen von fehlender Professionalität. Es ist ein Zeichen dafür, dass Sie ihn verstanden haben.

Praxistipp: Streichen Sie Fachbegriffe, wenn ein normales Wort ausreicht. Fragen Sie sich bei jeder Erklärung: „Würde ein Teilnehmer das nach einmaligem Hören verstehen?“

7. Sie warten darauf, dass die Kunden von allein kommen

Der letzte Fehler hat weniger mit Training als mit dem Geschäft dahinter zu tun.

Viele angehende Kommunikationstrainer investieren Monate in ihre Website, entwickeln Trainingsunterlagen und warten anschließend darauf, dass Unternehmen anrufen.

Das passiert selten.

Sie müssen aktiv dafür sorgen, dass Menschen erfahren, dass es Sie gibt.

Schreiben Sie Unternehmen an. Sprechen Sie mit Personalentwicklern. Halten Sie Vorträge. Bieten Sie kurze Impulstrainings an. Bitten Sie zufriedene Teilnehmer um Empfehlungen. Nutzen Sie LinkedIn oder andere Kanäle, über die potenzielle Kunden Sie tatsächlich erreichen.

Praxistipp: Reservieren Sie jede Woche feste Zeit für Kundengewinnung. Nicht für die Entwicklung Ihres nächsten Trainings, sondern dafür, mit potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen.

Fazit

Ein guter Kommunikationstrainer braucht mehr als Kommunikationswissen. Er muss erklären, Übungen gestalten, Menschen beobachten, präzises Feedback geben und Teilnehmer ins tatsächliche Tun bringen.

Und er muss lernen, aus seinem Können ein Geschäft zu machen.

Denn am Ende zählt nicht, wie viele Kommunikationstechniken Sie kennen.

Es zählt, ob Ihre Teilnehmer nach dem Training anders kommunizieren als vorher.